ABRAHAM DAVID CHRISTIAN


ABRAHAM DAVID CHRISTIAN
DIE SPRACHE DES MENSCHEN | THE LANGUAGE OF MAN


Vorwort

In der Zeit der Ausstellungsevents wird es immer schwieriger, das Werk eines Künstlers auszustellen, der nicht gerade zu
den lauten gehört und der auch nicht durch außerkünstlerische Ereignisse auffällt, die womöglich auch außerhalb der
Feuilletons gewürdigt werden, sondern der seit vielen Jahren konsequent an einer bildnerischen Sprache arbeitet, von der
er sich erhofft, dass sie über viele kulturelle und ethnische Grenzen hinweg verstanden werden könnte. Zum Glück für
solche langfristigen künstlerischen Konzepte und für die Kunstwerke selber gibt es immer noch Sammler und Museen, die
sich ihrer auf längere Zeiträume angelegten Aufgaben bewusst sind und einen langen Atem haben, wie es Reiner Ruthenbeck
einmal sagte. Die UNESCO definiert diese museale Aufgabenstellung so: sammeln, bewahren, erforschen, vermitteln.
Interessanterweise steht das Vermitteln, das ja ganz wesentlich, wenn auch nicht ausschließlich in Form von Ausstellungen
verwirklicht wird, am Ende dieser folgerichtigen Liste des musealen Grundgesetzes und nicht am Anfang, wie man angesichts
der immer lauter werdenden Forderungen nach der Steigerung der Ereignishaftigkeit der Ausstellungsevents und der
daraus erhofften Besucherzahlen vermuten könnte.
Resignativ ist festzustellen, dass es vermutlich aussichtslos wäre, das sich immer schneller drehende Rad der Ereignisund
Eventkultur anhalten zu können. Aber ab und zu einmal seine Geschwindigkeit zu drosseln, steht den Museen gut an,
denn sie sammeln, bewahren und erforschen, soweit man sie überhaupt noch dazu kommen lässt, jenes wichtige Gut
„Kunst“, das nicht nur jetzt, sondern auch noch in fernen Tagen, wenn die Sensationen des Augenblicks längst vergessen
sind, vom Umgang mit ihr und damit auch von unserem kulturellen Selbstverständnis ein, so ist zu hoffen, gutes Zeugnis
ablegen wird.
Den Museen ist in den letzten Jahrzehnten Hilfe zugewachsen von engagierten Kunstfreunden, die anstelle der immer
klammer werdenden Kassen der Kulturhaushalte wesentlich die Rolle der Sammler und Bewahrer übernommen haben: Sie
helfen entweder als Sponsoren oder – wenn auch seltener – als Mäzene und unterstützen die Kunstankäufe der Museen
oder engagieren sich ganz persönlich für die Kunst ihrer Wahl und stellen diese Werke dann den Museen auf Zeit und
manchmal glücklicherweise auch auf Dauer zur Verfügung. Beide Museen, das Von der Heydt-Museum Wuppertal und das
Neue Museum Weserburg Bremen sind aus dem persönlichen Engagement von Sammlern entstanden. Sie sind in Form
einer Privat Public Partnership in der Lage, so wichtige Ausstellungen wie z. B. die von Abraham David Christian zusammenzutragen
und zu präsentieren. Das Von der Heydt-Museum besitzt als Leihgabe schon seit einem Jahr eine Skulptur
des Künstlers, das Neue Museum Weserburg bewahrt sowohl in der bescheidenen eigenen Sammlung als auch in den
Sammlungen Hans Grothe und Sylvia und Ulrich Ströher wichtige Skulpturen und Zeichnungen von Christian. Es schien uns
deshalb an der Zeit zu sein, diese Werke einmal wieder in der Geschlossenheit einer vom Künstler konzipierten Ausstellung
zusammenzuführen und ihnen jenen Raum zu verschaffen, in dem sie ihre Sprache des Menschen, wie Christian die Ausstellung
nach einer Werkgruppe von 1981 nannte, entwickeln können. Wir hoffen darauf, dass auch in unseren lauten Tagen
diese leise aber intensive bildnerische Sprache verstanden wird.
Ohne die Sammler wäre das alles nicht möglich gewesen. Deshalb soll ihnen dafür Dank gesagt werden, dass sie sich
für die Dauer der beiden Ausstellungen von ihren Werken trennen bzw. dass sie ihre Werke den Museen auf längere Zeit zur
Dauerpräsentation zur Verfügung stellen. Zu danken ist auch den Galerien, Friedrich in Basel, Michael Haas in Berlin/Zürich,
Beck & Eggeling in Düsseldorf und Shigeru Yokota in Tokio, die sich engagiert für Christians Werk einsetzen und auf
verschiedentliche Weise diese Ausstellung und den Katalog gefördert haben. Ohne die mäzenatische Hilfe von Sylvia und
Ulrich Ströher und der Brennscheidt-Stiftung hätten wir die Ausstellung und den Katalog nicht in diesem Umfang verwirklichen
können. „Was bleibt, stiften“ zwar – nach Hölderlin – „die Künstler“, dokumentiert wird es aber im Katalogbuch,
das noch lange über die Dauer der Ausstellung hinaus wirken kann.
Den Autoren, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln dem Werk Christians näherten, sei ausdrücklich für ihre Analysen
und Interpretationen gedankt. Sie haben es der Übersetzerin und dem Übersetzer nicht immer leicht gemacht, deren
schwierige Arbeit hier dankbar gewürdigt werden soll. Allen Helfern, die eher im Hintergrund an der Präsentation dieser
Ausstellung mitgewirkt haben, deren Leistung nur der beurteilen kann, der selber einmal mit einem so nach Perfektion
strebenden Künstler wie Abraham David Christian gearbeitet hat, danken wir für ihren Eifer und ihre Geduld. Der Kehrer
Verlag hat mit diesem Katalog schon die dritte Publikation ganz im Sinne des Künstlers gedruckt. Wir danken Klaus Kehrer
für seine engagierte editorische Arbeit.


Thomas Deecke und Peter Friese Neues Museum Weserburg Bremen Sabine Fehlemann Von der Heydt-Museum Wuppertal



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